Auf den Spuren jüdischen Lebens in Nienburg
Jüdische Unternehmer

Jüdische Unternehmer betrieben zahlreiche Spezialgeschäfte in Nienburg. Sie bestanden oft über Generationen. Einige möchten wir erwähnen:
Das Textilgeschäft Elb-Friedheim in den Georgstraße wurde 1865 von Isidor Elb gegründet. Er übergab es später an seinen Schwiegersohn H. Friedheim, ehe der Betrieb 1936 arisiert wurde.
Sally Hildesheimer hatte einen Herren-Konfektionsladen in der Verdener Landstraße (später auch Lange Straße). Bei ihm kauften besonders gerne Arbeiter der Glasfabrik.

Ein alter Familienbetrieb war auch die Saat- und Futtermittel-Großhandlung der Witwe Abraham in der Langen Straße 60. Henriette Abraham führte das Geschäft nach dem Tod ihres Mannes Levi Isaac unter dem Namen L .I. Abraham Ww. weiter. Ihr gehörte im Hintergebäude eine Bäckerei, wo das spezielle Matzenbrot für das jüdische Pessachfest hergestellt wurde. Der Großhandel bestand bis 1935.

Grete Marcus, geb. Lilienfeld, übernahm 1935 nach dem Selbstmord ihres Mannes die Leitung des gleichnamigen Möbelgeschäftes in den südlichen Langen Straße 12 bis 14 weiter.
Gemeinsam mit ihrer Tochter Rosa wehrte sie sich erfolgreich gegen eine Plünderung des Lagers am 11. November 1938 durch Bürgermeister Beims. Die Gestapo ordnete an, die Maßnahme rückgängig zu machen. Die Gebäude waren seit 1881 im Besitz der Familie. Grete und Rosa Marcus wurden 1942 deportiert. Gemeinsam mit Leo Weinberg.

Leopold Weinberg war ein erfolgreicher Viehhändler. Er betrieb mit seinen Brüdern eine Viehhandlung in der Hafenstraße. Später wohnte er in der Langen Straße 61. Er kaufte Groß- und Zuchtvieh für die Nienburger Landwirte aus dem Oldenburger Land ein. Bald dehnte er seinen Handelsbereich bis Bremen-Asendorf aus. Weinberg war über ein Jahrzehnt Vorsitzender des „Vereins der Viehhändler von Nienburg und Umgebung“. Außerdem war er im Bundesvorstand des „Bunds der Viehhändler Deutschlands“. Ende 1937 wird dem Viehhändler Weinberg die Zulassung entzogen.

Nach der Zerstörung der Nienburger Synagoge wird die Synagogengemeinde zum Verein herabgestuft. Am 2.6.1939 gründet Weinberg mit sechs anderen jüdischen Mitgliedern den „Verein Synagogengemeinde Nienburg in Nienburg/W.“ Er ist der letzte Vorsitzende.

Quelle: Rainer Sabelleck: Jüdisches Leben in einer nordwestdeutschen Stadt: Nienburg; Göttingen 1991
Die jüdische Schule:
Die jüdische Schule Nienburg, Lange Straße 79 diente den Kindern jüdischer Familien als Grundschule. Später war sie eine reine Religionsschule zu der auch Elisabeth Weinberg nachmittags zum Religionsunterricht ging. Bis 1933 hat Sally Katz dort unterrichtet. Im Hinterhaus befand sich die Synagoge.
Bild links: Museumsarchiv
Bild rechts: Kieseritzky
jüdische Schule Nienburg ehemalige jüdische Schule Nienburg
Die Synagoge:
Das jüdische Gotteshaus, die Synagoge, war ein schmaler, lang gestreckter Bau auf dem rückwärtigen Grundstück der Langen Straße 79. Der Eingang mit den Säulen und einer hebräischen Inschrift über dem Portal, befand sich am Schloßplatz. Der Zugang über eine Hauptstraße wurde bereits bei der Erbauung verboten. Architekt war der bekannte Baumeister Emanuel Bruno Quaet-Faslem.
In den Morgenstunden des 10.November 1938 wurde dieses Bethaus unwiederruflich zerstört.
Ein Zeitzeuge erzählt
Elisabeth Weinberg

Bild links: Museumsarchiv
Bild rechts: Kieseritzky
Synagoge Grundstück ehemals Synagoge
Die Mazzenbäckerei:
ehemalige Mazzenbäckerei Werkstatt und Geschäftshaus des Levi Isaac Abraham, Lange Straße 60. Im Hinterhaus befand sich die Mazzenbäckerei. Hier wurde das traditionelle ungesäuerte Brot gebacken, das zum jüdischen Osterfest gegessen wurde. Nach dem Tod ihres Mannes führte seine Witwe Henriette das Geschäft weiter.

Bild links: Museumsarchiv
Bild rechts: Kieseritzky
Mazzenbäckerei
Selly Abraham
Abraham
Lange Straße 61 / Ecke Burgstraße: Geschäftshaus von Selly Abraham, der auch im Magistrat der Stadt Mitglied war. Im ersten Stock wohnte vorübergehend die Familie Weinberg. Das geht aus dem Kennkarten-Antrag hervor.

Bild: Masuch
Isaak Feist
Feist
Lange Straße 76 / Ecke Jahnstraße: Ehemals Haus des Isaak Feist, Geschäft für Herrenbekleidung und Schuhwaren. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe Henriette Feist das Unternehmen bis 1938. Danach lebte sie in Hannover und wurde 1942 in ein KZ deportiert.

Bild: Masuch 2001
Sally Hildesheimer
Bild links: Lange Straße 70: Auf der linken Seite war das ehemalige Bekleidungsgeschäft Sally Hildesheimer. Der Kaufmann wechselte öfter den Standort für sein Geschäft.
Bild links:Masuch

Bild unten: Postkarte von 1908. Rechts im Bild das damalige Ladengeschäft Sally Hildesheimer an der heutigen Filmeck-Kreuzung, Hafenstraße / Ecke Verdener Landstraße, war deutlich größer.
Bild unten: Hans-Otto Schneegluth
Isidor Elb
Elb-Friedheim Schedler
Georgstraße 3,5,7 und 9: Das Textilkaufhaus Elb-Friedheim gehörte zu den führenden Textilgeschäften in Nienburg.
1935 bekommt Bürgermeister Beims einen Brief von Frau Friedheim. Sie beschwert sich über den Aushang im "Stürmerkasten" mit der Überschrift "Wer bei Juden kauft, ist ein Volksverräter".
Bild links: Museumsarchiv
Bild rechts: Kieseritzky
Familie Weinberg
Weinberg
Die meisten jüdischen Geschäfte lagen im Zentrum der Stadt. Dort wohnten oft auch die Familien. Im Adressbuch von 1912 wird die Adresse von Familie Leo Weinberg mit Leinstraße 26 angegeben.

Bild: Masuch
Schragenheim
Ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus des Großhändlers Louis Schragenheim in der Friedrich-Ludwig-Jahnstraße 25. Seine Tochter Sophie war Elisabeths Freundin.
Bild: Masuch
Möbelhaus Marcus
Spuren der Familie Marcus finden sich heute auf dem
jüdischen Friedhof
Louis und Grete Marcus führten das gleichnamige Möbelhaus in der Langen Straße 12 bis 14 seit 1906. Louis Marcus nahm sich 1935 das Leben. Seine Frau und Tochter Rosa gehörten zu den Deportierten am 28. März 1942.
Ein Zeitzeuge berichtet
Bild oben links: Stadtarchiv
Oben rechts: Stadtarchiv
Bild: Kieseritzky
Möbelhaus London
Das Kauf- und Möbelhaus London war in der Langen Straße 75.
David Louis und Sophie London waren stolz auf das "größte und älteste Geschäft dieser Art", wie sie in ihren Anzeigen betonten.
Bild links: Museumsarchiv; Bild rechts: Stadtarchiv
Jude Cohn
Cohn
Der Viehhändler Herz Cohn wohnte mit seiner Familie auf der anderen Weserseite. Das Adressbuch von 1912 weist das Haus Lemker Straße 5 als Wohnort aus. Der Sohn Martin Cohn starb 1945 im KZ Buchenwald. Ein Grabstein erinnert daran.
In Elisabeths Tagebuch wird Herz Cohn erwähnt.
Foto: Masuch